Mai 062010
 
Musik: Zorngott // Text: Dan H. Racek
 
Wir sind verdammt zum Glücklichsein,
verflucht zum Vollkontakt.
Wir verrecken nie allein,
zum Gruppenspass verknackt.
 
Wir trinken, lachen, reden, schlafen,
husten im Quartet.
Geben nie den Löffel ab,
wir schmeissen gleich ein Löffel-Set.
 
Glücklich sind wir nur im Team,
wehe dir, du bist allein.
Suche dir sofort ´nen Partner,
bloß kein Einzelgänger sein.
 
Laber, laber. Schwafel, schwafel.
Liebe mich und find´ mich toll.
Sei mein Fan und küss´ mein Ego,
tanz´ den Freud´schen Rock´n Roll.
 
Kriech´ mir tief in meinen Anus,
finde meinen hellen Glanz.
Zeig mir deine Halsschlagader,
verschweiß´ mich zum Totentanz.
 
Hab nur tote Freunde.
Nette, tote Freunde.
Leb´ für tote Freunde.
Hallo, tote Freunde.
 
Ach, was sind wir gut gelaunt,
tralli, tralla und schubbidu.
Komm´, und setz dich zu uns, Mann,
die Elke hier, die denkt wie du.
 
Mund auf, Mund zu und Zähne zeigen,
Sorgenfalten weg, du Sau.
Zeig´ uns Schokoladenseiten,
rede klug, das mag die Frau.
 
Glücklich sind wir nur im Team,
wehe dir, du bist allein.
Suche dir sofort ´nen Partner,
bloß kein Einzelgänger sein.
 
Hab nur tote Freunde.
Nette, tote Freunde.
Leb´ für tote Freunde.
Hallo, tote Freunde.
 
Wir sind verdammt zum Glücklichsein,
verflucht zum Vollkontakt.
Wir verrecken nie allein,
zum Gruppenspass verknackt.
 
Kriech´ mir tief in meinen Anus,
finde meinen hellen Glanz.
Zeig mir deine Halsschlagader,
verschweiß´ mich zum Totentanz.
 
Hab nur tote Freunde.
Nette, tote Freunde.
Leb´ für tote Freunde.
Hallo, tote Freunde.

——
Wenn es einen Text gibt, auf den ich wirklich stolz bin, dann ist es “Tote Freunde”. Klar, einige Passagen wirken heute etwas altbacken, aber hey: Ich habe diesen Text vor rund 20 Jahren geschrieben und natürlich haben solche Songs auch ein gewisses Verfallsdatum. Das hat sogar “Satisfaction” von den Stones, lest euch den Text einfach mal durch. :)

Geschrieben habe ich Tote Freunde in ca. 10 Minuten spät Abends in meiner damaligen Agentur, bei Grey Direct in Frankfurt am Main. Ich schrieb, wenn ich mich richtig erinnere, an einem Werbemitteln für Citibank VISA und wollte eigentlich nach Hause. Daran war aber erst einmal nicht zu denken, ich war einfach noch nicht fertig. Um mich auf neue Gedanken zu bringen, öffnete ich ein neues Dokument und schrieb “Tote Freunde”. Irgendwann nachts um 02:00 Uhr auf einem AS/400-System.

Genau so eigenwillig wie der Entstehungsprozess des Textes war jeder der Musik. Wir waren damals noch zu Dritt (Dirk an den Drums, Steffen an der Gitarre und ich an Gesang und Keyboard) und hiessen noch “Männer Ohne Nerven”. Steffen war an diesem Abend mies drauf, er hatte gesundheitliche Probleme, was wir anderen damals aber noch nicht wussten. Er hatte schlichtweg keinen Nerv darauf, Gitarre zu spielen.

Also fing ich auf dem Keyboard an (das war eher das, was wir “Tischhupe” nannten – ein billiges Casio und nicht so ein tolles Ensoniq wie später bei Zorngott), eine Melodie zu spielen und sang dazu den Text von “Tote Freunde”. Dirk fing irgendwann an, dazu zu trommeln – Steffens Gitarre kam erst Wochen später dazu.

Wir haben es nie geschafft, eine bessere Version als die vom “Blutbilder”-Demo einzuspielen, deshalb kam diese dann auch (als “Blubi-Remix”, daher der Name) auf die “Schmerzträger”-CD. 
Feb 162010
 

Na, schon vom Rosenmontagszug erholt? Ich müsste dort ja nüchtern ko-Piiiep!-en, allein schon wegen der Musik. Harmonieliebende Gemüter sollten sich jetzt einer anderen Website zuwenden, denn Altgruftipunk erzählt ihren Leser/inne/n heute, wann sie zu schunkeln anfängt.

Die Band heißt Zorngott, sie existiert nicht mehr. Die CD trägt den Titel “Schmerzträger”, irgendwie habe ich es vor Jahren geschafft, ein Exemplar der limitierten Kleinauflage zu ergattern. Mein Lieblingstitel heißt Blutbilder, das Lied ist Anfang 1993 entstanden und beschimpft das Fernsehen. Kein Wunder, dass mir auch der Text hervorragend gefällt. Es geht um die Privatsender und die Anfänge der “Reality-TV” Shows:

nach dem Klick geht´s weiter bei der-leo-aspekt.de

Sehr schöner Blogeintrag zu einem Song meiner Band in den 90ern, Zorngott.

Vielen Dank Leo für die interessante Kommunikation!

Jan 112010
 
text: dan // musik: zorngott

Viel gehört und nichts verstanden.
Viel gesprochen, nichts gesagt.
Stundenlang einen raushängen gelassen
und dann gnadenlos versagt.

Viel posiert und schlau gefuchtelt.
Nahtlos ins Umfeld integriert.
Feige Floskeln runtergekurbelt.
Kein anderes Sichtfeld akzeptiert.

Piss´ mir nicht den Rücken runter
und sag mir dann, es regnet.

Faules Fleisch.
Faules Fleisch.
Faules Fleisch.
Faules Fleisch.

Viel begonnen und nichts beendet.
Keine Ahnung und nichts drauf.
Die Wahrheit deiner großen Pläne
hört kurz hinter deinen Lippen auf.

Viel versprochen und nichts gehalten.
Dreist dich mit mir angelegt.
Die eignen Füße festgenagelt.
Stark gedrückt und nichts bewegt.

Piss´ mir nicht den Rücken runter
und sag mir dann, es regnet.

Faules Fleisch.
Faules Fleisch.
Faules Fleisch.
Faules Fleisch.

Faules Fleisch.
Faules Fleisch.
Faules Fleisch.
Faules Fleisch.

Ich tippe gerade Texte von Zorngott ab, die ich beim Aufräumen gefunden habe – ja, ich habe die tatsächlich größtenteils nur als Ausdruck, man mag es kaum glauben.

Das liegt einfach daran, dass das alles schon recht lange her ist und ich einige Texte bei meiner ersten Agentur (!!) noch auf unserem IBM AS/400 System (!!) geschrieben habe.

Ich wollte den Text von “Faules Fleisch” mal hier posten, weil ich doch ziemlich erschüttert bin, dass ich solchen Leuten, wie ich sie dort damals beschrieben habe, heute noch begegne. 

Andererseits: War ich selber in den letzten 21 Jahren manchmal so? Ich habe immer versucht, es zu vermeiden. Garantieren kann ich aber nichts – wer kann das schon? :)